ISO, das internationale Normungsinstitut, hat 2003 den Vorschlag unterbreitet einen Guidance Standard on Social Responsibility für alle Organisationen zu erstellen, der weltweit gültig ist.
Im September 2004 wurde eine Arbeitsgruppe innerhalb der ISO gegründet, die Ende Jänner 2005 einen Vorschlag für die Struktur und Aufgabengebiete dieser Arbeitsgruppe über Social Responsibility vorlegte. Der Auftrag der Arbeitsgruppe sieht vor, einen internationalen Standard unter der Bezeichnung ISO 26 000 auszuarbeiten, der Organisationen darin unterstützt, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und dabei die kulturellen, gesellschaftlichen, umweltbedingten, sowie rechtlichen und wirtschaftlichen Unterschiede respektiert.
Der Standard soll praktische Leitlinien liefern, wie die gesellschaftliche Verantwortung umgesetzt wird, Anspruchsgruppen identifiziert und einbezogen werden können und die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung über gesellschaftliche Verantwortung verbessert werden kann. Er soll dazu beitragen, das weltweite Bewusstsein über gesellschaftliche Verantwortung zu stärken, eine einheitliche Terminologie zu schaffen und dabei bereits existierende Dokumente sowie internationale Verträge und Konventionen zu dem Thema einbeziehen.
Der Standard soll ein reines Richtliniendokument bleiben und keine Verpflichtungen enthalten. Die Zertifizierbarkeit ist ausdrücklich ausgeschlossen.
Ziel ist es, bis 2008 einen Konsens der 6 am Prozess beteiligten Interessensgruppierungen aus
- Wirtschaft,
- Verwaltung,
- Arbeitnehmern,
- Konsumenten,
- Beratern und Wissenschaft,
- Nichtregierungsorganisationen
hinsichtlich dieses "Guidance Standard on Social Responsibility - ISO 26000" zu erarbeiten. Die Arbeitsgruppe setzt sich zusammen aus derzeit 315 DelegiertInnen und 52 BeobachterInnen von nationalen Normungsinstitutionen aus 64 Ländern sowie 32 internationalen Organisationen. Pro nationaler Normungsgesellschaft sind sechs TeilnehmerInnen zugelassen, wobei es das Ziel ist, für jede Interessensgruppe pro Land einen Vertreter zu haben. Angestrebt wird auch eine ausgewogene Teilnahme von VertreterInnen aus entwickelten- und Entwicklungsländern sowie zwischen den Geschlechtern. Geleitet wird die Arbeitsgruppe von Jorge E.R. Cajazeira (Brasilien) und Staffan Söderberg (Schweden).
Entscheidungsträger ist die Working Group (WG)in ihrer Gesamtheit. Sie wird von der Chairmen's Advisory Group (CAG) unterstützt, die eine ausschließlich beratende Funktion wahrnimmt. Außerdem wurden 6 Task Groups festgelegt (TG 1-3 befassen sich mit strukturellen Fragen, TG 4-6 mit inhaltlichen Fragen).
- TG 1 - Funding and stakeholder engagement
Bereitstellung von finanziellen Mitteln und Verteilung an Entwicklungsländer oder anderer minder bemittelter Stakeholderkategorien. damit diesen eine Teilnahme am Normungsprozess möglich wird.
- TG 2 - Communication
Interne und externe Kommunikation. z.B. das Erstellen von FAQ. das Bereitstellen von Informationen zur Sicherstellung der Transparenz und Decken des Kommunikationsbedarfs der anderen TGs.
- TG 3 - Operating procedures
Festlegung der Vorgangsweisen. gibt Auskunft und nimmt Anregungen entgegen und gibt Empfehlungen über gegebenenfalls neu einzuführende Regelungen.
- TG 4 - Stakeholder engagement
Definition und Vorgangsweise mit und rund um Stakeholder. Zuerst soll eine Definition gefunden werden und dann sollen die Hauptprobleme in den Beziehungen zu Stakeholder herausgearbeitet werden. Stakeholderthemen sollen in den Standard einfließen können.
- TG 5 - Core context
Festlegung des Kernbereichs des Standards. Benutzer sollen ein Verständnis dafür bekommen. was SR ist und was es mit ihrem Unternehmen zu tun hat.
- TG 6 - How
Das "wie" und "an wen" definieren. Erklärungen geben "an wen" sich die Standards richten und eine praktische Anleitung liefern wie SR innerhalb einer Organisation angewendet werden kann.
Das Österreichische Normungsinstitut (ON) ist Mitglied bei der ISO und arbeitet im Fachnormenausschuss ONK 251 die österreichische Standpunkte zu ISO 26 000 aus. Österreich ist in der ISO Arbeitsgruppe durch sechs ExpertInnen des ONK 251 vertreten, wobei die Arbeitnehmer derzeit keinen VertreterInnen nominiert haben, die Wirtschaft ist durch zwei Experten repräsentiert. Österreich stellt außerdem durch Herrn Martin Neureiter den Vorsitzenden der Unterarbeitsgruppe TG6
Nachdem im Jahr 2005 die Strukturen und Grundsätze der Arbeitsgruppe sowie ein erster grober Rahmen für den Standard erarbeitet worden war, war es Ziel des dritten Treffens in Lissabon, das im Mai dieses Jahres stattfand, die über 2000 Kommentare zum ersten Arbeitsentwurfs, der von Jänner bis April diesen Jahres ausgearbeitet worden war, zu diskutieren und einen Arbeitsplan für die weitere Vorgangsweise zu beschließen.
Von den in Lissabon eingesetzten drafting groups wurde dann bis Anfang Oktober 2006 ein zweiter Arbeitsentwurf ausgearbeitet, der bis Anfang Dezember 2006 zur Kommentierung durch alle Mitglieder der Arbeitsgruppe auflag. Die Kommentare dazu sollen dann beim vierten Treffen der Arbeitsgruppe Ende Jänner 2007 in Sydney diskutiert werden.
Die Veröffentlichung des Standards ist derzeit für Oktober 2008 geplant. Derzeit schon eingetretene Verzögerungen lassen aber eine Verschiebung wahrscheinlich erscheinen.
